Das hat es noch nie gegeben: Champions League stürmt in den Fußball-„Orgasmus“

#image_title

[ad_1]

Jetzt folgt der Showdown. Die Champions League lässt es einfach geschehen. Der letzte Spieltag der Königsklasse verspricht ein noch nie dagewesenes Spektakel. Dabei begann alles mit einem „Diebstahl“, oder doch nicht?

Das hat es im Fußball noch nie gegeben. Der letzte Spieltag der neuen Tabellenphase der Champions League verspricht unglaubliche Dinge. 18 Spiele parallel. Kaum etwas ist bedeutungslos. Jedes Tor kann alles verändern. Und weil es so etwas noch nie gegeben hat, weiß niemand, was passieren wird. Nur der, der für sich reklamiert, es erfunden zu haben, stellt eine Behauptung auf. Er sagt: „Es wird wie ein Orgasmus werden.“ Dazu später mehr. Das ist versprochen.

Jetzt aber erst einmal ein Blick zurück. Bereits nach sieben von acht Spieltagen lässt sich ohnehin schon etwas festhalten: Nie agierten die Heimmannschaften offensiver, selten waren die Gästeteams gefräßiger und nie fielen mehr Tore. Es ist die beste Champions League aller Zeiten. Nicht nur aufgrund der Spektakelgarantie, sondern viel mehr aufgrund der Unberechenbarkeit der Dinge. Die war zuletzt etwas verloren gegangen.

Manchester City und Paris Saint-Germain vor dem Schock-Aus

Die vielen Tore fielen beim 9:2 von Bayern München gegen Dinamo Zagreb, die fielen beim 7:1 von Borussia Dortmund gegen Celtic Glasgow und die fielen auch beim 5:1 von Real Madrid gegen RB Salzburg. Und doch kämpfen diese Klubs am letzten Spieltag nun um den direkten Einzug in das Achtelfinale. Sie alle krebsen im Mittelfeld der Tabelle herum. Sie können zwar nicht mehr ausscheiden, doch für den ganz großen Erfolg braucht es fast schon ein Wunder.

Es ist Fakt: Diese Kantersiege des Trios gegen Zagreb, Celtic und Salzburg erzählen nicht die Geschichte des Wettbewerbs. Das, was Real Madrid, Bayern München und Borussia Dortmund jetzt erwartet, was auch die Zuschauer erwartet, erzählt die Geschichte des Wettbewerbs. Die drei Klubs haben im bisherigen Verlauf der Saison je zwölf Punkte gesammelt. Sie stehen am letzten Spieltag in direkter Konkurrenz mit den Teams zwischen den Plätzen 5 (Atlético Madrid mit 15 Punkten) und 24, dem VfB Stuttgart (mit 10 Punkten).

Dazwischen tummeln sich so erstaunlich erfrischende Klubs wie Atalanta Bergamo, Aston Villa, Stade Brest, Feyenoord Rotterdam, Club Brügge oder Celtic. Noch viel weiter dahinter steht Manchester City. Das Team von Pep Guardiola muss sogar um den Einzug in die Playoffs bangen. Paris Saint-Germain auch. Eine Niederlage beim VfB Stuttgart könnte fatale Auswirkungen haben.

Jedes Tor an diesem Spieltag kann die Tabelle dramatisch verschieben, kann darüber entscheiden, ob der FC Bayern sich in den Playoffs fürs Achtelfinale gegen Manchester City aufreiben muss oder im Februar Kraft schöpfen darf und somit auch in der Bundesliga ausgeruht dem Titelverteidiger Bayer Leverkusen enteilen kann. Was am heutigen Mittwoch zu sehen sein wird, ist der vorläufige Höhepunkt der größten Veränderung in den europäischen Klub-Wettbewerben seit der Einführung der ersten Champions League in den Fußball-Revolutionsjahren der frühen 1990er.

Die Revolutionsjahre verändern den Fußball für immer

Damals wurde der Fußball für die kommenden drei Dekaden geformt. Das Privatfernsehen drängte in den Markt und in England wurde die Premier League erschaffen. Europa bekam die Champions League und die USA bekamen die WM 1994. Sie bekamen ein Gespür davon, wie mächtig Fußball sein kann. Das Bosman-Urteil gab den Spielern mehr Macht. Die Übertragungstechniken wurden immer besser, die Übertragungswege durch das Internet schon bald immer differenzierter.

Jetzt steht das Spiel erneut vor einer Weggabelung. Die FIFA hat mit der Vergabe der Weltmeisterschaften bis 2034 den Weg vorgegeben. Europa ist nicht mehr ganz so wichtig. Doch der Klubfußball ist immer noch zutiefst europäisch dominiert. Daran wird auch die neu geschaffene Klub-WM der FIFA nichts ändern. Der Fußball entwickelt die größte Kraft und die größte Magie, wenn er in Gesellschaften hineinwirkt. Wenn er, der von großen globalen Kräften bedroht wird, im Lokalen stattfindet. Und im globalen Kontext ist sogar die Champions League lokal. Doch sie war verkommen.

Die in den vergangenen Jahren statische Königsklasse diente pflichtschuldig als Geldmehrungsmaschine. Sie zerriss die nationalen Ligen. Sie führte zahlreiche Klubs in neue finanzielle Dimensionen. Was durch das neue Geld und noch viel mehr durch den glitzernden Ruhm des Wettbewerbs ein Hauptgrund für die sich immer schneller drehende Welt des Sportswashing wurde. Erst kamen die Russen in Form von Roman Abramowitsch. Der stieg bei Chelsea ein und veränderte dadurch den Fußball, wie wir ihn kannten. Auf die Oligarchen folgten gigantische Konzerne und ganze Staaten. Der Fußball versprach Sichtbarkeit, Europa war das Zentrum und der 7,5 Kilogramm schwere Henkelpott für den Gewinner die Sehnsuchtstrophäe.

Eine Lösung gegen die Langeweile

Weil immer mehr Geld in den Wettbewerb kam, passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Die, die immer mehr Geld bekamen, wurden süchtig danach. Sie brauchten immer mehr Geld. Die, denen es eigentlich egal war, weil ferne Staaten ihre Rechnungen bezahlten, brauchten nicht mehr Geld, aber mehr Anerkennung. Die, die einmal am Geldtropf der Königsklasse gehangen hatten und doch nur normale Vereine waren, stürzten – wenn der Geldfluss einmal abbrach -tief, manchmal sogar sehr tief. Der Fußball ist ein brutales Monster. Das Monster verzeiht keine Fehler.

Und so kamen über die Jahre die immergleichen Namen in die K.-o.-Runden des Wettbewerbs, und weil das so war, wurde die Liga langweiliger. Sie drohte zu entgleiten. Eine Rückkehr zum alten K.o.-Format vom ersten Spiel an aber war keine Option. Zu süchtig waren die Vereine nach Geld. Eine Lösung musste her, die den Wettbewerb für neue Klubs öffnete, ihn für den Zuschauer attraktiver machte und mehr Spiele und somit noch höhere TV- und Werbeeinnahmen garantierte. Diese fand sich ganz plötzlich, als die Gier der größten Vereine den Fußball zu zerreißen drohte und sie fand sich womöglich in einer Schublade.

Niemand kann sich ausmalen, was passieren wird

Denn die Geschichte der neuen Champions League ist auch eine, die vielleicht mit einem Gedanken-Diebstahl begann. Dieser Teil der Erzählung handelte von einem Endfünfziger aus Südamerika, der den Fußball revolutionierte, weil eine Erbkrankheit ihn davon abhielt, Fußball zu spielen.

„Verzeihen Sie mir die Grobheit, die ich jetzt sagen werde“, sagte dieser Mann mit dem Namen Leandro Shara der „Süddeutschen Zeitung“ im Vorfeld des letzten Spieltags der Königsklasse: „Es wird wie ein Orgasmus sein. Wir werden sagen: ‚Wow! Das war ja großartig.'“ Der, der so spricht, gibt vor, der geistige Urheber des neuen Formats zu sein. Vorgestellt hat er es weltweit und schon vor langer Zeit. So auch im Januar 2017, als der „Revoluzzer im Wartestand“ dieser Redaktion seine Idee für ein neues WM-Format skizzierte.

Der Chilene hat die Fußball-Leidenschaft von seinem Vater geerbt. Der war aus seiner syrischen Heimat ausgewandert und sich auch in Südamerika dem Fußball verschrieben. Er baute Ende der 1970er-Jahre beim CD Palestino eine Meistermannschaft auf, die es sogar bis ins Halbfinale des Kontinentalwettbewerbs Copa Libertadores schaffte. Doch weil Shara zwar die Leidenschaft von seinem Vater geerbt hatte, doch die Erbkrankheit Charcot-Marie-Tooth, bei der eine Gen-Mutation des Chromosoms 17 für eine Nervenschädigung sorgt, ihm das Laufen nahezu unmöglich machte, liebte er den Fußball in Gedanken. Bald entwickelte er neue Turniere und Formate. Erst für sich und, später für alle, die es interessierte. Und das Interesse war vorhanden.

Der Angriff der Super League

Wie zum Beispiel die UEFA, so behauptet Shara. Der Chilene will Dokumente haben, die das belegen sollen. Ein erstes Treffen habe es bereits 2013 am Rande der U21-EM in Tel Aviv gegeben. Unter anderem mit Giorgio Marchetti, dem heutigen stellvertretenden Generalsekretär des Verbands. Der kümmerte sich damals um die Wettbewerbe. Shara stellte das Format vor und der Italiener soll sich dabei skeptisch gegeben haben. Shara behauptet, man habe ihn abgewimmelt. Auch weitere Kontakte mit der UEFA seien am Ende für den Chilenen nicht zielführend gewesen.

Inmitten der Corona-Pandemie drohten die Superklubs Europas im April 2021 mit der Super League. Die UEFA musste antworten, kurz drohte ihr, der Fußball zu entgleiten. Doch sie hatte die Fans und die Ligen auf ihrer Seite. Die englische Premier League drohte den großen Klubs mit Rauswurf aus dem nationalen Wettbewerb. Die Fans gingen auf die Barrikaden.

Neben der Machtdemonstration der englischen Fans konnte auch die UEFA mit der jetzt um vier Klubs erweiterten und komplett reformierten Königsklasse für ihre Existenz werben. Die Super League verschwand ins Reich der Untoten. In den wenigen Stunden ihrer Existenz verdichtete sich der Kampf um den europäischen Fußball. Weil gerade Pandemie war, wurde es zu einem Riesen-Spektakel für die im Lockdown erstarrte Gesellschaft.

Und zurück zum Fußball

Damals also zog der Kontinentalverband das neue Format aus der Tasche, das Marchetti dort vielleicht deponiert hatte. Denn es hatte frappierende Ähnlichkeiten zu dem, das Shara 2017 ntv.de vorgestellt hatte. Dagegen geht der Chilene gerichtlich vor. Eine zähe Angelegenheit, sagt dieser.

Die UEFA sagte 2021, als der Fußball unter Druck war, andere Dinge. „Nicht nur die Fußballwelt, sondern auch die Gesellschaft und Regierungen stellen sich gegen diesen Nonsens eines Projekts, das auf Gier basiert“, zischte UEFA-Präsident Aleksander Čeferin gegen die Gründung der Super League. „Mit dieser zynischen Idee spuckt man allen Fans und der Gesellschaft ins Gesicht.“

Auch weil die verbliebenen Klubs und die UEFA das neue Format durchdrücken konnten, wurde die Super League erneut zu dem Untoten, die sie in den Jahren zuvor davor gewesen war. Die Versorgung mit Geld für die kommenden Jahre war sichergestellt. Die Super League spukt immer noch in den Köpfen einiger Klubs wie Real Madrid und Barcelona herum. Manchmal spricht sie in Form des CEOs Bernd Reichart, der mit A22 die sogenannte „Super-League-Agentur“ unterhält.

Die Super League hat sich noch lange nicht aufgegeben, erst im Dezember 2023 vor dem Europäischen Gerichtshof einen Streit gegen die UEFA gewonnen. Die Gefahr für die UEFA ist noch lange nicht gebannt, doch das ist sie nie. Alles verändert sich. Und dann passieren Dinge, die noch nie passiert sind. So wie am heutigen Mittwoch.

[ad_2]

Source link